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Sarkophag Rocks HP
         

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Gotthard Rocks-Ladys hinter Gittern

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Aber das Ganze nur für einen Tag und vor allem freiwillig. Wobei es einigen Leuten sicher gefallen hätte, wenn der Schlüssel für unsere Zelle abhanden gekommen wäre ;)


Ja, wir waren wirklich im Knast – allerdings nicht, weil ein Richter uns dazu verdonnert hat sondern auf Grund des schrägen Humors von Ilona und mir. Als bei der Hotelsuche in Luzern ein ehemaliges Gefängnis auftauchte, das Übernachtungen in den Originalzellen zu einem für die Schweiz relativ günstigen Preis anbot – na, das mußten wir doch buchen. Für eine Nacht sicher amüsant und ein besonderes Erlebnis. Das wurde es dann auch, allerdings zugegebenermaßen auf eine sehr abgefahrene Art.


Dank Navi war es kein Problem, das Jailhotel Löwengraben in Luzern schnell zu finden. Die Parkplatzsuche dauerte dafür umso länger, wurde zum kleinen Krimi, wohl passend zur Location. Gepäck geschnappt und rein ins Kittchen – einchecken vorne am Tresen, links ging´s zur Hotel-Bar, rechts zum Frühstücksraum und daneben war eine schwere Gittertür. Die wird per Drücker vom Personal geöffnet, Treppe hoch und Zellennummer suchen. Schon etwas unheimlich... gebaut wurde dieser Kasten 1862, bis 1998 war er „in Betrieb“. Da schlappten keine Touristen auf der Suche nach ihrer Schlafgelegenheit durch die Gänge sondern schwere Jungs ohne grosses Gepäck und Codenummer in der Hand. Und manche Storys, die im Laufe der ganzen Jahre von den Insassen so erzählt wurden, wären für unsereinen sicher Gruselfaktor „dickste Gänsehaut“ gewesen... oder der Anlass, kein Auge zuzumachen.


Wir inspizierten die einzelnen Abzweigungen, die Tafeln und standen dann vor der hohen massiven Holztür mit Metallbeschlägen Nummer 216, dem Eingang zu unserem Nachtquartier. Zahlencode eingeben und ziiiiiehen – man benötigte etwas Muskelkraft, um diesen Brummer von Tür aufzuwuchten. Irgendwie wollte ich auch nicht, dass sie wieder zuging. Herrje, drei Schritte gemacht und man stand an der anderen Wand. Es war eng, wenig Platz, zwei Pritschen, Tisch und eine sehr winzige Nasszelle. Das Fenster hoch droben in der Wand, natürlich vergittert. Tür zu, Spion gecheckt – meine Güte, kann die Welt übersichtlich sein. Mal ehrlich: die Vorstellung hier auf so engem Raum dauerhaft leben zu müssen, mit einem Menschen, den ich mir nicht aussuchen kann – das nimmt einem die Luft und an Klaustrophobie sollte man besser nicht leiden. Vom Gang aus konnte man runter in den Hof schauen, nett mit etwas Grünzeug, aber auch nicht viel Platz zum ausgiebigen Herumschlendern. Sehr putzig: das asbach-uralte Wasserschlauchsystem auf dem Flur.


Wir konnten Gott sei Dank jederzeit die Tür öffnen, uns alles anschauen und wieder raus in die Zivilisation, ins normale Leben. Nach dem Konzert kamen wir wie Freigänger zurück zum Pennen und mußten am Türsteher vorbei, ein Schrank von einem Mann. Ein Flyer auf dem Tresen klärte uns auf: der Schrank ist Kickboxer. Somit waren wir wirklich bestens beschützt. Zu zweit in der Zelle rumwuseln, da ist ein bisschen Absprache und viel Rücksicht nötig. Als wir uns auf die Pritschen packten... also bequem und kuschelig ist echt was anderes. Im Dunkeln wurde mir so richtig bewußt, dass ich niemals riskieren würde, Bewohnerin in einem echten Knast zu sein. Ich bin und bleibe freiwillig ein sehr braves Mädel ;-) Eingesperrt zu leben, neeee, danke. Und ich merkte deutlich, wieviel die Freiheit doch wert ist. Man nimmt es als gegeben hin, es ist normal für uns, man kann jederzeit alle Türen öffnen und rumsausen. In Luzern spielte ich im Kopf „was wäre wenn...“, das Ergebnis war wirklich nicht sehr angenehm, es war eher grauselig. Ein Gefängnisaufenthalt ist eine Strafe - wie das ausschaut und sich anfühlt, konnte ich mir in der Zelle ziemlich lebhaft vorstellen. Welch Erkenntnisse so ein Hotelaufenthalt doch bringen kann, mitten in der Nacht, auf einer Pritsche... ich kannte am nächsten Morgen jede Querlatte persönlich, bin mehr als einmal mit dem Rohr an der Wand kollidiert und sehr viel Schlaf hab ich nicht abbekommen.


Morgens aufgewacht, sich orientiert – was bei der Größenordnung des Raums keine drei Sekunden dauerte - und ab ins Bädchen. Kein Platz hinten und vorne, wenn man etwas anderes gewohnt ist, ist anecken vorprogrammiert. Aber Hauptsache, wir konnten uns duschen und fönen. Das klappt zur Not auch mal auf allerengstem Raum, nur geht dabei der morgendliche Genussfaktor Bad komplett flöten. Das Frühstücksbuffet wartete auf uns. Lange Holztische, Holzbänke, nicht unbedingt bequem, aber lecker Futter und Kaffee entschädigte. Soderle, jetzt wußten wir wie sich Gefängnis anfühlen könnte. Gesiebte Luft, jede Menge Gitter, leicht erdrückende Enge – wat war dat schön, den Koffer zu schnappen, auszuchecken und zu wissen: die lassen uns tatsächlich wieder raus :-)


Es war wirklich ein besonderes Erlebnis. Das Jailhotel bietet auch Zellen für drei bis vier Personen mit Etagenbetten an, zudem edlere Räume wie zum Beispiel die Director´s Suite, die Falling Waters Suite und mehr. Keine Angst – das Personal besteht nicht aus den Original-Gefängniswärtern :-) Alle sind sehr sehr nett und hilfsbereit! Schaut euch das Komplettangebot an und wenn ihr mal etwas Ausgefallenes erleben wollt> bucht euch im Knast ein.


 

Report und Fotos by Marion Ney

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