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Konzertbericht

Powerwolf

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Xandria
Orden Ogan

Garage - Saarbrücken

07.11.15
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Garage - Saarbrücken

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Setlist

Unser Konzert-Special

 

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Dieser letzte Umbau fand mehrheitlich unter Ausschluss der Konzertbesucher statt. Ein schwarzer Vorhang mit dem Logo „PW“ verhüllte nun die Sicht. Eine gewisse erwartungsvolle Spannung und drei Fragezeichen schwebten im Raum: Was verbirgt sich wohl dahinter? Wie wird das Bühnenbild gestaltet sein? Wann geht es endlich los? Die Garage war rappelvoll und es herrschten Saunatemperaturen, bei denen jeder Finne vor Neid leichenblass geworden wäre. Sich durch die Menge zum Einlass am Fotograben vorzuarbeiten, geriet zur Schwerstarbeit. Dort angelangt, musste ich noch etwas warten und fühlte mich wie eine Rostwurst im Doppelweck.


Man bekam eine interessante Mixtur an Menschen zu sehen: „Normalos“ aller Altersklassen hatten sich eingefunden, ebenso Rocker in diversen Band-Shirts sowie Scharen von  Powerwolf  Jüngern, die teilweise wie die Band geschminkt und/oder auch als eine Art Pater, Nonne oder Messdiener gewandet waren. Am gesprochenen Wort konnte man die verschiedenen Heimatländer der Besucher ausmachen, es gab einige Sprachen und diverse deutsche Dialekte zu hören.




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Mit bzw. nach Veröffentlichung des Albums  Preachers Of The Night  und Platz Nr. 1 in den Charts in 2013 veränderte sich vieles für  Powerwolf.  Es entwickelte sich ein Wirbelsturm an Interesse und mir gefällt es nie, wenn um eine Band so ein gewaltiger Hype entsteht. Zu viele Leute fühlen sich nur vom Drumherum angezogen, sie achten mehr auf die Showelemente und/oder das Aussehen der Männer. Die Musik an sich gerät dabei jedoch komplett zur Nebensache und diese Sorte von Anhängern hüpft in der Regel flott wieder von dannen, sobald sie ein neuer Hype anfixen kann. Bei so manchem Besucher der Garage konnte man ausmachen, dass diese Kategorie „Fan“ in nicht geringer Anzahl vertreten war. Was man da so an Gesprächsfetzen mitbekam... es erforderte teilweise harte Disziplin, um nicht laut loszulachen...


Das Licht erlosch, die Menge jubelte,  Powerwolf  Sprechchöre setzten ein. Die ersten Töne von  Lupus Daemonis  erklangen, Scheinwerfer legten ein spezielles Licht auf den Vorhang, wodurch die Personen dahinter wie große Figuren eines Schattentheaters wirkten… und dann zerstörte ein gebrülltes Mattheeeeew im direkten Umkreis meiner Ohren die Magie dieses Moments. Am Ende des Intros gab's ein Krawumm und der Vorhang fiel. Die Musiker samt dem Outfit der nun komplett vereinnahmten Bühne wurden sichtbar... gellende Schreie hinter mir, der Kreischpegel schnellte hoch... ich war irritiert und fühlte mich kurzfristig wie beim Auftritt einer Boyband zum Zeitpunkt ihres absoluten Wirkungshöhepunkts.




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Ablenkung ignorieren - zuerst mal das tolle Szenario begutachten und auf mich wirken lassen. Als Hintergrund war der Wolf mit Dornenkrone samt seinen Kollegen vom Cover des aktuellen Albums  Blessed & Possessed  zu sehen, mittig davor das gewaltige Drumkit von Roel van Helden, mit sakralen Motiven auf den Trommeln. Falk Maria Schlegel, der Mann an den Tasten, hatte gleich zwei Arbeitsplätze. Links und rechts oben waren Keyboards zu sehen, die vorne dran als Verzierung jeweils einen großen Vogel mit gespreizten Flügeln montiert hatten. Halblinks gab's eine kleine Schräge zum Hochflitzen und die seitlichen Vorhänge stellten Kirchenfenster dar, die dank dem Lichteinfall den Eindruck vermittelten, dass man sich in einer Kapelle oder ähnlichem befand. Eine Batterie an Scheinwerfern war im Einsatz, dazu Spots, Ventilatoren, der Kelch stand parat, das Make-Up und die mystisch-sakralen Gewänder saßen. Matthew und Charles Greywolf - die Wölfe an den Saiteninstrumenten - nahmen ihre Positionen ein, Sänger Attila Dorn schnappte sich sein schickes Mikrofon mit eingearbeitetem Kreuzsymbol. Es war angerichtet, die Lesung der Messe in heimatlichen Gefilden konnte beginnen.


Powerwolf  hatten als Opener mit  Blessed & Possessed  den Titeltrack ihres letzten CD ausgewählt, eine mitreißende schnelle Nummer, die die Stimmung sofort extrem nach oben jagte. Allerdings denke ich, wenn sie in diesem Moment  Hänschen Klein  gerockt hätten, wäre das Endergebnis das Selbe gewesen. :-) Mit  Coleus SanctusAmen & Attack  und  Cardinal Sin  folgte ein Dreierpack aus ihrem Chartstürmer  Preachers Of The Night.  Die Garage brodelte, die Mehrheit des Publikums sang mit und das brachte den zusätzlichen gewissen Gänsehauteffekt. Inklusive Intro und Outro umfasste die Setlist zwanzig Nummern, der Schwerpunkt lag auf den letzten beiden Werken, garniert mit einigen Hämmerchen der Vorgänger, nur das Debüt-Album  Return In Bloodred wurde leider komplett außen vor gelassen.




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Die Songauswahl traf bei mir ins Bullseye, ich bekam fast alle meine persönlichen  Powerwolf  Favoriten live auf die Ohren. Im Mittelteil durften wir uns bei den Krachern  Army Of The NightResurrection By Erection  und  Armata Strigoi  verausgaben. Dann wurde es Zeit zum Durchschnaufen, für uns und für vier der Musiker. Der niederländische Drum-Wolf Roel van Helden zeigte seine Qualitäten an seinem Arbeitsgerät in einem verdammt guten längeren Solo. Ich steh drauf, warum sollen immer nur Gitarristen mit Soli glänzen dürfen? Mit Volldampf und  Dead Boys Don't Cry  hatte es sich flott mit dem Ausruhen erledigt. Als Attila bei der nächsten Anmoderation die Worte „Es werde Nacht“ ins Mikro hauchte, freute ich mich besonders, denn es folgte mit  Let There Be Night  meine Nr. 1 ihres letzten Albums. Ein intensives Hammerteil, das dank seinem gebremsten Tempo einen schönen Kontrastpunkt zu den doch überwiegend schnellen Werken bildete. Fasziniert beobachtete ich Matthew und Charles, die in ihren Bewegungen immer wieder kurz einzufrieren schienen, sehr geile Einlage!


Alle Songs laden zum ausgiebigen Mitsingen ein, insbesondere die Refrains kitzeln die Trällerbereitschaft raus und ich bemerkte eindeutig, dass jetzt Klappe halten angesagt war, denn meine Stimmbänder verweigerten den Dienst. Mit  Werewolves Of ArmeniaIn The Name Of God (Deus Vult)We Drink Your Blood  und  Lupus Dei  peitschten  Powerwolf  die Stimmung an den Siedepunkt. Heiliger Bimbam, war das eine brillante Messe und der Zugabenblock fehlte ja noch. Ein kleiner Lacher am Rande: Wir durften bei den ersten beiden Songs fotografieren und bei der ersten Zugabe… allerdings fehlte vorab die Info, welche Nummer das sein würde. Auf Nachfrage eines Fotografen lautete die aussagekräftige Antwort: „wenn die Leute „Zugabe“ schreien“. So kann es man es natürlich auch erklären. :-)




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Wir warteten seitlich auf den Einlass in den Fotograben und so hatte ich den optimalen Blickwinkel auf das Publikum, als nicht alle, aber sehr viele niederknieten, um vor  Lupus Dei  die Segnung durch den Weihrauchkessel schwenkenden Metal-Frontpater Attila Dorn zu empfangen. Ich hatte das vorher nie aus so einer Position sehen können und es löste bei mir ungläubiges Staunen samt dicker Gänsehaut aus. Bei  Sanctified With Dynamite  stand ich wieder direkt vor der Bühne, auf der nun überall Flammen loderten und wenn dann noch dieses teuflisch rote Licht dazu kam - was für ein Bild. Knipstechnisch gesehen fühlte ich mich wie der berühmte Ochs vorm Berg, hatte keinen Plan, wie ich das Feuer mit einfangen kann. Irgendwie hab ich es aber doch hinbekommen...  Kreuzfeuer  und  All We Need Is Blood  bildeten den Abschluß des fulminanten Finales. Ein geniales Konzerterlebnis endete, die Pilgerfahrt hatte sich so was von gelohnt!


Nein, ich bin noch nicht fertig, ich hätte noch was zur Show zu vermelden und das Drumherum fehlt bislang ebenfalls:


Die Lichteffekte waren sensationell, die absolut heiße Lightshow zauberte eine fantastische Atmosphäre in die Bude. Meine Favoriten: das höllische Rot und das giftige Grün. Ich hab mich ein bisschen geärgert, dass Letzteres nicht bei einem der drei Songs eingesetzt wurde, die wir im Fotograben miterlebten. In Selbigem hatte ich mit einem kleinen Problem zu kämpfen: Normalerweise mache ich mir als Schreiberling Kurznotizen und kann mich dabei immer im Rhythmus bewegen. Im Fotograben dem Takt der Musik nachzugeben – sehr schlechte Idee! Der Sound passte, die Lautstärke ebenso, musikalische Punktlandung, da gab's nichts zu meckern.




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Matthew und Charles Greywolf rockten die Hütte. Sie dürften beim Hin und Hergeflitze auf der Bühne einige Kilometer hingelegt haben und sie verschwanden auch immer mal wieder kurz von selbiger. Sie feuerten die Menge an, ließen die langen Mähnen kreisen und die Ventis wirbelten die Haare in imposante Formationen rund um ihre Köpfe. Äußerst beeindruckt hat mich ihre Synchronität, ob es jetzt beim Matten schütteln, Gitarren stemmen oder in die Hocke gehen war... Mit Matthew hatte ich meinen Spaß, was der Mann mit seinem Gesicht anstellte, göttlich!


Roel van Helden haute den Rhythmus knackig hart raus und das mit vollem Körpereinsatz. Drummer sitzen hinter ihren Frontmännern und fristen meiner Meinung nach ein zu wenig beachtetes Dasein. Dabei geht’s ohne sie nun wirklich nicht. Was Roel so alles mit seinen Sticks und seinem Schlagzeug anstellen kann, bewies er in dem bereits oben erwähnten Solo. Mich hat seine Gesamtleistung an diesem Abend beeindruckt. Mit seinem Kopftuch und der Schminke erinnert er mich jedes Mal an einen ägyptischen Gelehrten aus einem meiner Bücher... das nur nebenbei bemerkt...




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Attila Dorn lieferte gesanglich top ab, er ist aber auch ein Mann des gesprochenen Wortes, soll heißen: eine Plaudertasche vor dem Herrn. Er glänzte als Ansager, Animateur und Geschichtenerzähler, wobei sein rockig rollendes Rrrrrr dem Plaudern einen besonderen Touch verpasst. Manches geriet aber in meinen Augen einfach zu lang. Beispiel: Die Story des geplagten Crewmitglieds, der einen Bienenstich in sein bestes Stück abbekam – an der Stelle wusste man schon, dass nun  Resurrection By Erection  folgen würde – wir erfuhren aber zuerst noch sämtliche Auswirkungen dieses Stichs... und das zog sich... Zusammen mit Falk Maria Schlegel gründete Attila vor  Armata Strigoi  ein „Ooohooohooo“ Trainingscamp. Die Leute übten sich brav einen Ast und ich befürchtete schon, die zwei Herren ziehen das durch bis die Qualität eines gregorianischen Chors erreicht wird.


Ein weiteres Spielchen stand mit „Wer brüllt lauter?“ auf dem Plan. Attila arbeitete mit der rechten Hälfte des Publikums, Falk mit der linken. Es ging hin und her – Endergebnis: „Falk brrraucht mehrrr Körrrperrspannung“. Attila brach das Battle schließlich ab. Vor der Segnung und  Lupus Dei  fragte er mehrfach „Seid ihr besessen?“, jedes Mal einen Ton höher, was bei mir Spannung erzeugte, wie hoch Mann wohl kommen würde, es hielt sich aber in Grenzen. :-) Da dies die letzte Show der Wolfsnächte 2015 war, bedankte er sich bei den beteiligten Bands, der Crew und natürlich bei den Fans, die für die vielen ausverkauften Gigs verantwortlich zeichneten. Zwei von ihnen zelebrierten an diesem Abend ihr 100.  Powerwolf  Konzert. Ich dachte zuerst, ich hätte mich verhört – es gibt schon ganz schön verrückte Fans. ;-) Leider blieb auch bei diesem Auftritt eine Überraschung oder ein Joke der anderen Musiker und/oder der Crew zum Tourende aus - schade, schade!




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Keyboarder Falk Maria Schlegel erinnert mich immer an den saarländischen Pantomimen Jomi. Er spricht kein Wort, aber seine ausdrucksstarke Mimik und Gestik reißen die Menschen mit. Falk agierte sehr oft in vorderster Front, er ist nicht nur talentiert an den Tasten unterwegs sondern auch als Animateur. Egal, ob er bei  Dead Boys Don't Cry  die Fahne schwenkte, total entrückt gen Himmel schaute oder mit Attila zusammen die Leute bespaßte – er wurde immer wieder mit Sprechchören gefeiert, was nach meinen Erfahrungen nicht unbedingt als „normal“ bei einem Keyboarder anzusehen ist. Das Saarbrücker Publikum verwöhnte die Jungs allerdings generell mit totaler Hingabe, ich hab selten so viele Sprechchöre für einzelne Bandmitglieder gehört. Somit war es kein Wunder, dass Attila Dorn es nirgends so schön findet wie zu Hause.


Als das Outro einsetzte, wollte ich nur noch ganz schnell raus an die frische kühle Luft und dieser innige Wunsch basierte auf meinem letzten Kritikpunkt. Was mir gar nicht gefiel, hatte nichts mit der Band zu tun sondern mit der Location. Der Hitzepegel war enorm, es war stickig und brütend heiß. Nicht nur unsereiner dampfte auf hohem Niveau, selbst die Rohrverkleidungen tropften vor sich hin. Es hätte mich nicht gewundert, wenn die Metal-Gemeinde die Klamotten von sich geschmissen hätte, entweder vor Begeisterung oder zur Abkühlung. Ausreichende Frischluftzufuhr fehlte und das machte sich bemerkbar.




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Einige Leute mussten mit Kreislaufproblemen aus der Menge geführt oder rausgehoben werden, eine Frau hing in der ersten Reihe wohl bewusstlos über dem Sperrgitter und brauchte Hilfe. So was sieht man nicht gerne, man weiß ja nie, wie gefährlich das werden kann. Zumindest für mich gibt es einige unumstößliche Grenzen. Eine davon: Die eigene Gesundheit muss wichtiger sein als ein Top-Platz in Reihe 1 bis 3 eines Konzertes. Stundenlang verharren bei dieser drückenden schwülen Hitze, zu wenig trinken, sich nicht mal draußen die Beine vertreten - kein Wunder, wenn es einen umhaut. Somit hat man zwar stundenlang wegen dem Headliner ganz vorne gestanden, erlebt aber sein Konzert nicht komplett. Da fehlt die Logik, ebenso wie bei der kostenlosen Saunanutzung. Ab einem gewissen Punkt muss frische Luft in den Raum, aber vielleicht seh ich auch das wieder falsch. ;-)


Draußen ging's mir flott wieder besser, Dirk und Gabi warteten schon am abgemachten Treffpunkt – an dieser Stelle ganz liebe Grüße an euch. Ich denke, wir waren alle gleichermaßen begeistert von diesem grandiosen musikalischen Erlebnis. Unsere Nachbesprechung fand in der Wurstwirtschaft der Gebrüder Kalinski statt, einer kleinen urigen Lokalität am St. Johanner Markt. Kann ich nur empfehlen – die Currywurst schmeckte superlecker! Dann ging's zurück Richtung Auto, im November, ohne Jacke, die Shirts mit halbem Arm taten es locker, denn es war alles andere als kalt – verrücktes Wetter. Mit rockigen Klängen aus dem CD-Player düsten wir Richtung unserer heimatlichen Höhlen... und schon bald werden wir wieder in der Garage einfallen!

 

 

Report und Fotos ©2015 by Marion Ney

 

 

 

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