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Terremoto 29.08.03:

eine Tragikomödie in mehreren Akten

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Sometimes I wish I were an angel... oder ein Vogel...
... auf jeden Fall was mit Flügeln dran...

 

 

 

Akt 1 – Money Changes Everything

Das Highfield sollte ja eigentlich das letzte Konzert der 69 Eyes in Germanien anno 2003 sein. Wir hatten es genossen und dümpelten dank der Kälte der Highfieldnacht grippekrank zu Hause rum. Und was passiert dann? Donnerstags ereilt uns die Nachricht: sie spielen auf dem Terremoto. Uuups - Terremoto heisst ja Erdbeben und eine heftige Erschütterung ereilte uns in diesem Moment auch... kurzfristiger geht´s ja fast nicht mehr. Wobei ich mir nun folgende Nebenbemerkungen nicht verkneifen kann: warum buchen Festivals wie das Highfield und Terremoto die Eyes nicht gleich fürs Line–Up? Warum rutschen sie erst rein, wenn andere Bands ausfallen bzw. absagen? Eine gute Live-Band muss kein aktuelles Album draußen haben, um auf einem Festival zu spielen. Zudem haben das die meisten der Bands auf dem Timetable nicht... Für mich leicht unverständlich nach welchen Grundsätzen da besetzt wird, aber – wie so oft - muss ich das auch nicht verstehen.


Nennt uns verrückt, bekloppt oder wie auch immer: wir wollten auch dieses nun wirklich (?) letzte Konzert 2003 auf deutschem Boden miterleben können. Die Suche begann: wo war der Goldesel, wo die Lottofee? Abgängig - wie immer, wenn man die dringend braucht. Die Planungen begannen umgehend: im Chat wurde „getagt”, die Bahnauskunft musste Fahrpläne und Preise ausspucken, die Telefone liefen heiß. Diverse Ideen kamen auf... (wie geht ein Ba-Ba-Banküberfall??) und wurden verworfen. Arbeitslose müssen sich ihre paar Penunzen einteilen, da ist ein Konzertausflug ein Luxus-Vergnügen der besonderen Art. Ich musste dann Muttern anpumpen, unangenehme Sache, ich mach mir nicht gerne Schulden wegen sowas... aber Ausnahmen bestätigen die Regel ;-) Erst am Donnerstagabend stand fest, dass auch Siggi es gepackt hatte und wir freuten uns auf einen schönen Tag mit netten Menschen und einigen guten Konzerten. Niemand von uns ahnte, wie sehr wir den Beschluss zum Terremoto zu wollen bereuen sollten...



Akt 2 – Welcome To The Jungle

Freitagmorgen stieg ich in den Zug Richtung Koblenz – bei Gewitter und strömendem Regen. Was gibt´s netteres als eine Fahrt von 2 Stunden 15 Minuten mit lärmenden Kindern in einem Abteil verbringen zu dürfen? *grummel* Kurze Zeit später traf Lost Vampire in Koblenz ein und wir gingen einen Kaffee trinken – draußen gewitterte und regnete es fröhlich vor sich hin. Wir warteten auf Devilzeye und starteten um circa 13.30 Uhr Richtung Düsseldorf. Inzwischen hatte es aufgehört zu regnen, die Sonne lugte raus und ich wertete das als gutes Omen. Wie sehr man sich doch irren kann...


In Düsseldorf angekommen sammelten wir am Bahnhof Dani und Siggi ein. Somit war die kleine Reisegruppe komplett und auf ging´s Richtung Weeze. Dank Staus und Stop-and-go-Verkehr kamen wir nicht so zügig voran, aber wir lagen ja eigentlich trotzdem noch gut in der Zeit. Die letzte Raststätte vor dem Ziel wurde zur dringenden Erledigung menschlicher Bedürfnisse genutzt und dann ging´s zum Endspurt Richtung Festival. Dieser Endspurt wurde zum Marathon. Alle Seitenstrassen Richtung Terremoto waren von der Polizei gesperrt. Nach endlosem Gefahre rund um Weeze ging dann plötzlich nichts mehr. Es staute gewaltig... und keiner wusste, warum und weshalb. Auf Nachfrage bei der Polizei hieß es dann: sieben Kilometer Stau, da Parkplatz 1 und 2 voll seien... und einen Parkplatz Nummer 3 gab´s nicht. Noch nicht, man arbeitet daran... Aha, sehr interessant, lassen wir jetzt die Luft aus´m Auto und stecken es in den Rucksack?? Wir wollten schließlich auf das Festival, um Konzerte zu sehen und die würden nicht später anfangen, nur weil Unmengen Leute in Staus festhingen.


Da sich absolut nichts tat was Anlass zu der Annahme gab, es würde mal voran gehen, wurde gedreht. Weiter vorne waren schließlich auch auf der anderen Seite Seitenstrassen gewesen. Aber Pfeifendeckel, auch dort gab´s jetzt einen Megastau und seitlich parken hätte zum Abschleppen geführt. Letztendlich kam´s soweit, dass Siggi und ich zu Fuß lostrabten, da wir auch noch an die Tickets ran mussten. Und der Rest unserer Reisegruppe meldete dann etwas später via Handy, dass keine andere Möglichkeit geblieben war als Nähe Bahnhof zu parken. Es ging nichts mehr, wir latschten an Unmengen Autos vorbei und die Insassen waren - um es gelinde auszudrücken - hellauf begeistert von dem gemütlichen gemeinsamen Stauen. Und die Security vor Ort war „bestens” informiert, in jeglicher Hinsicht und zu allen Fragen, die man stellte. Ich habe an diesem Tag gelernt: schickt dich einer zu Punkt A, wäre eigentlich Punkt Z richtig gewesen. Beim Highfield haben meine kaputten Hüftgelenke schon geächzt unter den vielen Kilometern, aber auf diesem Terremoto wurde das locker-leicht und endlos getoppt!


Am Campingplatz ging´s vorbei und dann endlich war da eine Kasse. Ich kaufte mein Ticket und die gute Frau fand Siggi doch tatsächlich auf der Gästeliste (man erschreckte sich inzwischen schon richtig, wenn mal was klappte). Sie konnte ihr allerdings nur den Bon geben, der dann an Punkt A gegen das Bändchen eingetauscht werden sollte. Siggi raste los und ich stellte mich an, um mein Bändchen zu holen. Außer mir standen da noch ein paar Leute mehr, nicht viele, waren nur Hunderte... Das Handy bimmelte, Siggi war dran: der ihr angegebene Punkt A war falsch, wie sollte es anders sein... So stand ich da, im Matsch vor der Bändchenausgabe, es wurde eng und enger, die Menschen murrten... es wurde spät und später - es ging voran, aber wie? Schneckentempo wäre damit verglichen schnell gewesen.


Das Eyes-Konzert begann... ich stand vor meiner Bändchenausgabe, Siggi vor ihrer (sie hatte es inzwischen tatsächlich gefunden), der Rest unserer Reisegruppe war unterwegs zum Gelände. Das Eyes-Konzert endete... und ich hatte es bis ins Zelt geschafft!!! Dort sah ich dann, warum das nicht voran gehen konnte: an jeder Seite saß jeweils nur eine ganze Person, vergab Bändchen und kassierte den Mülltütenpfand. Mann, Mann, draußen drängen sich Hunderte und die sind nicht fähig, ein paar Leute mehr zur Abfertigung hinzusetzen. Sehr leid tat mir ein junger Mann vor mir. In dem Gedränge war der untere Abschnitt seines Tickets flöten gegangen. Kein Einlass ohne den Schnippel, er solle ihn suchen gehen. Suchen zwischen eng gedrängt stehenden Menschen, im Matsch, der zudem extrem zugemüllt war?? Der arme Kerl hatte ein 3Tageticket und seine 95 Euro wohl buchstäblich in den nassen Sand gesetzt... Kurz vor halb neun hatte ich mein Bändchen, welch Wunder. Via Handy hatte ich die Info bekommen, dass die anderen drei auf dem Gelände eingetroffen waren. Sie hatten ja schon Tickets, waren unten am Campingplatzeingang rein und da ging's etwas flotter, weil weniger Andrang... oder mehr Leuten zum Abfertigen im Zelt??? Siggi vermeldete auch den Erhalt ihres Bändchens und wir trafen uns – mehr als groggy - irgendwo auf dem Campingplatz. Das Eyes-Konzert war vorbei und ich hatte davon nur ein entferntes Brummseln gehört.


Wir bewegten uns nun zum Haupteingang hin, meine Gedanken gingen Richtung: jetzt biste schon so weit gerannt, das kann ja nicht mehr allzu fern sein. Jo, denken in Sachen Terremoto – ich hab´s kurz danach eingestellt. Man durfte über einen matschigen Weg ein weiteres Stück vom Campingplatz bewundern, dann ging's in die schöne Natur. Nettes Waldstück, doch, ich war begeistert von Tannen, Eichen und Fichten und wäre es ruhiger gewesen hätten wir sicher noch Rehe und Wildschweine bestaunen können. Nach einem weiteren endlosen Marsch hatten wir doch tatsächlich den gottverdammten Haupteingang erreicht. Meine gute Laune war mir schon spätestens vor dem Bändchenzelt abhanden gekommen, wohl auch in den Dreck dort gefallen... unauffindbar, futschikato... Meine Beine meldeten Befehlsverweigerung an und es wäre nett gewesen, den Rucksack loszuwerden. Aber neeee, auch das ging daneben, wie sollte es anders sein. Ok, das wäre schon gegangen, hätte dann aber 10 Euro fürs Schließfach gekostet. Die Preise gingen nämlich auf drei Tage und Idioten wie wir, die sich nur einen Tag leisten können, sollten den selben Preis für ein paar Stunden Nutzung löhnen. Lachhaft! Also samt Gepäck rein, Kontrolle vom Feinsten, aber keine Reklamation. Ich glaub, ich wäre spätestens dann trotz meiner Erschöpfung zum Hulk mutiert.


Man glaubt es kaum, es war inzwischen 21.13 Uhr und wir hatten es tatsächlich geschafft, Sichtkontakt zu den Bühnen zu haben. HIM legten los, aber ein Hörkonzert reichte aus, hinsetzen tat Not. Via Handy (mein Gott, diese Dinger sind ihr Geld doch wert!) fand sich unsere Fünfer-Bande wieder zusammen. Der Frust hatte uns alle fest gepackt, dieses Festival war ein einziger Griff ins Klo. Es hätte mich nicht gewundert, wenn uns noch ein gewaltiger Regenguss erwischt hätte. Das war das Einzige, was ausblieb. Der geplante Treff mit Mira war den Bach runter gegangen, was ich sehr traurig fand. All diese Leute seh ich jetzt lange nicht mehr wieder, es hätte ein toller Tag für uns werden sollen... Und nun hingen wir rum, fix und fertig und arg enttäuscht. Kühl war´s, was sollten wir eigentlich noch da, Bock hatte keiner mehr, also wollten wir nach HIM los - Richtung Auto, Richtung Heimat, weg von diesem Chaos.


Himmel, wo darf man denn jetzt hier wieder raus? Ganz hinten, letzte Schleusen sind für raus *tapstapstaps* Der groß angepriesene Shuttle-Bus – alles nicht wahr, was darüber zu lesen oder zu hören war. Das Biest fuhr oben am Gelände gar nicht, erst später wieder, er kommt nicht durch. Aaahaaa!! Und wieder laufen, laufen, laufen - diesmal das Waldstück im Dunklen – schöööööön, so romantisch!! Klar, hätten sie die installierten Lampen angeknipst, hätte man eventuell mehr gesehen, aber das hätte diese Romantik zerstört. Ich fühlte mich wie eine Pfadfinderin> Klein-Anubis erkundet den Weeze-Wald – ich hätte gut drauf verzichten können! Irgendwann - Ewigkeiten später – erreichten wir den Campingplatz. Dort war es stellenweise etwas heller, dafür hatte man auch mehr mit dem inzwischen tiefer gewordenen Matsch zu kämpfen. Und generell musste man aufpassen, was einem entgegen kam. Denn Leute mit etwas erhöhter Promillezahl neigten dazu, einen umkegeln zu wollen. Ich hatte auf „Automatik” geschaltet, meine Beine wollten eigentlich nicht mehr laufen müssen... Was war ich glücklich als wir den Ausgang vom Campingplatz erreicht hatten und der Satz „wir fahren mit dem Bus zum Bahnhof” hörte sich so gut an.


Der nächste Bus sollte es sein, der kam dann auch – irgendwann - später... Unmengen Leute von Parkplatz 2 stiegen aus, wir rein, hinsetzen, wohlfühlen... Nach 30 Sekunden kam Panik in mir auf, warum hieß es denn nun, der fährt zum Parkplatz 2 zurück? Devilzeye holte Infos beim Busfahrer, musste dann noch energisch werden, weil man durch geschlossene Türen so schlecht aussteigen kann. Wir standen wieder auf der Strasse und die Worte Shuttle-Bus, P1, P2, C1 und C2 erzeugten bei mir nur noch Brechreiz. Die Security war keine Hilfe, sie standen da und wussten selbst nicht, wie sie wegkommen sollten. Immer noch fünf Kilometer Stau, da drin hing der Bus zum Bahnhof... jo, richtig geraten - wir latschten los Richtung Hauptstrasse. Unsere drei jungen Mitreisenden, teilweise auf Strümpfen laufend, machten sich auf den Weg zum Bahnhof.


Ich schaffte es noch bis zur Hauptstrasse und dort war für mich Ende Gelände. Auf der einen Strassenseite lagen Kühe im Gras, auf der anderen legte ich mich dann vor einen Stromverteilerkasten ;-) Jetzt kann ich darüber wieder grinsen, aber in dem Moment da auf dem Boden hätte mich die ganze Welt an dem Teil lecken können, auf dem ich drauf saß... Unsere Jugend sammelte uns ein, es ging zurück Richtung Düsseldorf. Dort traten Dani und Siggi den Heimweg per S-Bahn und Zug an. Koblenz erreichten wir um kurz nach halb fünf, ich musste mich nun auch von Devilzeye und Lost Vampire verabschieden. Im gelben M dopte ich mich mit Kaffee und um 6 Uhr fuhr mein Zug ab. Zu Hause war ich dann um halb neun Uhr. 24 Stunden und viele Kilometer hatte ich in Sachen Terremoto hinter mich gebracht, ich lahmte beidbeinig und für was das Ganze???



Akt 3 – The Day After

Nachts hatte ich beschlossen: wenn Festival, dann nur noch in Finnland. Aber am Tag danach revidierte ich diese Ansicht auf: nie mehr Terremoto!!! Die Veranstalter dieses Festivals sollten Leute an die Organisation lassen, die´s wirklich können und keine ohne Überblick. Das Terremoto war voll das Allerletzte, so ein Chaos, die totale Fan-Verarsche. Ich hab einiges an Geld ausgegeben und durfte dafür viele nette Spiele spielen wie „Wir bilden einen langen Stau”, „Fang das Bändchen”, „Such den Weg durchs Labyrinth zum Haupteingang” usw. Letztendlich war´s ein großes „Mensch ärgere dich nicht” Spielfeld, wir waren die Spielfiguren... und wir konnten nicht gewinnen! Wenn die Veranstalter fair wären, würden sie das Geld zurück erstatten und sich für so eine Fehlorganisation schämen!!!


Im Vorfeld war ich traurig, weil ich mir kein 3Tageticket leisten konnte, denn Linkin Park, die Ärzte und einige Bands mehr hätte ich nur zu gerne gesehen. Im Nachhinein war ich happy, dass ich nicht länger bleiben musste. Das Terremoto könnte alle Bands, die ich gerne mal live sehen will, hintereinander reihen, mir das Ticket schenken, die Anreise und das Hotel bezahlen - ich würde dankend ablehnen! Die Security und die anderen Mitarbeiter vor Ort tun mir echt leid, denn die waren eindeutig überfordert und von oben nicht korrekt informiert. Jede erfragte Auskunft war falsch, genau wie die Angaben zum Shuttle-Bus. Was man so in Warteschlangen und generell rundum mitbekam – viele Besucher des Festivals dürften einen gewaltigen Hals gehabt haben. Wir erreichten das Gelände und brauchten über vier Stunden um zu parken, Bändchen zu holen und durch den Haupteingang zum eigentlichen Ort des Geschehens zu gelangen. Und wir haben die Band, die wir eigentlich sehen wollten, verpasst. Das ist der absolute Wahnsinn, muss man denn Tage vorher anreisen um das sehen zu können, was man sehen will? Dieser Freitag hat Kraft gekostet, es war ne Quälerei und das einzig Positive war, dass ich nette Menschen um mich hatte.


Einige von euch werden uns diesen Schlag ins Wasser sicherlich auch vergönnen. Ist uns aber wurscht, wir sind hart im Nehmen und haben trotzdem den Spaß an Konzerten nicht verloren. Nur eins ist sicher: nie wieder Terremoto!!!



Abspann

Hier noch meine obligatorischen Knuddler und Grüsse ;-) Die gehen zuerst an meine Leidensgenossinnen:

Siggi> war ein mehr als typischer von-Trümmer Freitag, was?
Lost Vampire> war das Tuska doch so cool, gelle?
Devilzeye> Du fährst prima, nochmals danke fürs Mitnehmen
Dani> war nett, Dich kennenzulernen
Mira und Turbobitch> ich hätte euch so gerne getroffen, aber es war uns nicht vergönnt
Caro, Lumpi und Vamperl> ihr könnt froh sein, dass es bei euch nicht geklappt hat und euch dieses Debakel erspart blieb


Und Grüße an alle, die ebenfalls von diesem Desaster betroffen waren

 

The End

 

Report by Marion Ney

 

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