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Konzertbericht

Therion

013 - Tilburg

29.10.10
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013 Tilburg/Niederlande

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Supportbands:
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Unser Konzert-Special/Our Concert-Special

 

 

Am letzten Wochenende im Oktober ging es für zwei Gigs nach Tilburg - meine ersten Konzerteinsätze in den Niederlanden. Ich habe mir in den vergangenen Jahren Konzerte und Festivals in einigen Ländern Europas angeschaut. Nach wie vor ist Finnland unangefochten meine Nummer 1. Dort konnte ich alles was mit Livemusik zu tun hat optimal genießen, da das komplette Drumherum so angenehm und auch unbürokratisch ablief. Ich kann vorab sagen: die Niederländer haben es schon sehr cool drauf, zumindest diese beiden Clubs konnten mich ziemlich überzeugen.


Nach über acht Stunden Bahnfahrt samt drei Umsteigern kam ich leicht geplättet in Tilburg an. Bei meiner kleinen Wanderung vom Bahnhof zum Hotel konnte ich mir schon mal ein bisschen was von der City ansehen. Vor allem ist wirklich faszinierend, was in Sachen Zweirad abgeht. Ich hab noch nie so viele Fahrräder gesehen, abgestellt und/oder in Betrieb, mit eigenen Ampeln und gekennzeichneten Fahrbahnen. Total fremd und ungewohnt für mich ;-) Dann stand ich vor unserem Hotel und auch da gab´s einiges zu begutachten. Es lag eingebettet zwischen zwei Extremen: zwei weiter links eine sehr schöne alte große Kirche (Heuvelse Kerk) und direkt rechts vom Hotel begann die Altstadt/Amüsiermeile/Partyzone – wie man es auch nennen will... Unser Zimmer lag zur Kirche hin, riesiges Fenster mit Blick auf den Marktplatz, eine breite Sitzbank unter dem Fenster - hinsetzen, dem Treiben zuschauen oder die Wasserfontänen auf dem Marktplatz beobachten... Ebenfalls völlig neu und daher auch irgendwie faszinierend für mich: eine Tür zum Bad wie man sie kennt, jedoch komplett ohne Schlüsselloch, eine durchgehende Metallplatte mit normalem Türgriff und fertig. Ist zumindest mir in der Form noch nie unter gekommen... Raucherzimmer gibt’s in den Niederlanden generell nicht mehr, dafür einen Raucherbalkon - idyllisch mit Blick in den Innenhof der Kirche, aber nicht überdacht, was ich erst samstags dank Regen bemerkte. Ich wartete auf Hans, der erst nach der Arbeit losfahren konnte. Er kennt sich in Tilburg dank vorheriger Fotografen-Einsätze aus und nachdem er eingetroffen war, machten wir uns flott auf den Weg ins Poppodium 013.


An diesem Freitag stand Therion auf unserem Plan. Die schwedisch-internationale Formation ist derzeit unterwegs, um ihr Album  Sitra Ahra  live zu präsentieren. Als Supportbands waren Leprous und Loch Vostok mit an Bord. Zeitlich haute es für uns nicht hin, pünktlich vor Ort zu sein und die erste Combo ganz zu sehen. Da ich mir bei 1,5 gehörten Songs keinen optimalen Eindruck einer Band machen kann und es mir nicht liegt, mir etwas aus den Fingern zu ziehen, fällt daher eine Berichterstattung über Loch Vostok aus.


In der Umbaupause bekam ich die Gelegenheit, mir alles etwas genauer zu betrachten. Von außen ist das 013 – so benannt nach der Telefonvorwahl von Tilburg - ein kompakter großer Kasten, der aber in verschiedene Bereiche unterteilt ist. Wenn ich es recht verstanden hab, waren wir nun im Dommelsch Zaal. Vom Aufbau her prima gemacht: von oben geht´s in Stufen abwärts, man kann von überall das Treiben auf der Bühne sehr gut beobachten. Unten eine gerade Fläche, nicht allzu groß, aber an diesem Abend auch nicht überfüllt. Oben und unten gab es jeweils eine Theke/Bar, allerdings konnte man nicht einfach mal so hingehen und Getränke kaufen. Ich wäre natürlich mit dem Gedanken Euro gegen Cola direkt zur Tränke gelatscht. Aber Hans hatte mich vorab aufgeklärt: zuerst Euro gegen Chips tauschen, dann Chips gegen Getränk. Okay, dann halt so – warum einfach, wenn´s auch ein bisschen komplizierter geht... Was fehlt noch? Achja> die Bühne selbst mit ordentlicher Breite und in einer Höhe, bei der ich mich bequem anlehnen und mit leicht in den Nacken gelegtem Kopf alles sehen konnte. Jeweils seitlich einiges an Lautsprecherboxen, keine Absperrung, keine Foto-Pit, keine Security – zumindest konnte ich keine ausmachen, vielleicht waren sie auch dezent getarnt vorhanden.


Es wurde dunkel und die Band Leprous aus Norwegen kam auf die Bühne. Sie waren... speziell, in allem, sehr innovativ und für meinen persönlichen Musikgeschmack war das Ganze nicht unbedingt gemacht. Fünf Männer, an ihren Instrumenten alle sehr fit - vorne mittig stand das Keyboard, da der Tastenmensch auch der Sänger der Truppe ist. Er selbst war schon ein etwas ausgefallener Anblick - Hemd mit ärmelloser Weste darüber samt roter Fliege und langen Dreadlocks. Letztere wurden oftmals wild durch die Gegend geschleudert, was scheinbar auch zur Bühnenshow gehörte. So lange geradeaus gesungen wurde, war´s okay, aber oft – für mich zu oft – schrie der Sänger los oder wechselte die Tonlagen unerwartet von normal auf schrill. Was beides auf eine gewisse Art schon beeindruckend war, aber der gesamte Mix war halt nichts, was ich unbedingt brauche. Einar Solberg legte mit seinen Kollegen einen sauberen Gig hin, der zwar meinen Musiknerv nicht traf, aber anderen Besuchern sicher gut gefiel. Was mir positiv in Erinnerung bleibt, sind die beiden Gitarristen, die mich mit ihrem Können schon überzeugen konnten, auch wenn das Komplettwerk musikalisch nicht meine Wellenlänge war. Nach ca. 30 Minuten war ihr Set vorbei und der Umbau für Therion begann...


Ich war sehr sehr gespannt auf die Damen und Herren – eine mitgliederstarke Truppe mit allein vier SängerInnen. Im Hintergrund als Bühnenbild das  Sitra Ahra  Cover, das Schlagzeug auf einem etwas erhöhten Podest, davor ein größeres und zwei kleinere Metallgestelle, halbrund, umspannt mit einer Art Stoff, der mit Motiven bedruckt war. Rechts ein Tasteninstrument, in Holzlook verkleidet, darauf ein Blumenstrauß, ein Ventilator am Bühnenrand, schräg nach oben gerichtet. Allein schon dieser ganze Aufbau ließ mich auf eine geniale Show hoffen. Und ich wurde nicht enttäuscht...


Der Umbau zog sich etwas hin, aber dann endlich war es so weit... Das Licht ging aus, der Nebel waberte, blaue Scheinwerfer tauchten die Bühne in ein stimmungsvolles Licht, zwei Stimmen setzten ein. Drummer Johan Koleberg nahm an seinem Arbeitsgerät Platz, die Gitarristen Christofer Johnsson und Christian Vidal sowie Tour-Bassist Waldemar Sorychta erschienen und los ging´s mit dem Titelsong des aktuellen Albums, mit  Sitra Ahra. Die Sänger kamen häppchenweise, zuerst Katarina Lilja, dann stieg Thomas Vikström mit ein, der nächste Part gehörte Snowy Shaw und als letzte erschien Lori Lewis und verpasste mir mit ihrem Einsatz eine richtig dicke Gänsehaut. Stimmlich sind diese vier wirklich verdammt genial! Egal, in welcher Kombi sie tätig wurden - ob alleine, zu zweit, als Trio oder Quartett – es war ein Hochgenuss.


Und auch die Männer an den diversen Instrumenten waren in Hochform. Wirklich exzellente Gitarrenparts und auf die stehe ich ja bekanntlich besonders. Was Christofer und Christian ablieferten, woooow!!! Es machte Spaß, ihnen auf die Finger zu schauen. Am Besten konnte ich das bei Bassist Waldemar, ich stand direkt vor ihm und was er am Bass zustande brachte, alle Achtung! Auch zwei der Sänger kamen an Instrumenten zum Einsatz: Lori zeigte ihr Können an den Tasten, Thomas spielte Querflöte... Das Ganze mal sanfter, aber meistens richtig schön hart im Sound, dazu die besonderen Stimmen, die einige Leute eher im Klassik-Bereich suchen würden und das alles bestens abgemischt – wirklich grandios gut!!! Die Akustik in diesem Saal des 013 war vom Feinsten.


Ein Konzert dieser Formation ist eher eine Inszenierung. Ich kam gar nicht mehr nach mit Gucken. Allein schon die Klamotten waren sehr sehenswert: Mastermind Christofer mit Lederhose, Frack und Zylinder, Katarina in knielangem Rock und ärmellosen Miederoberteil, Lori dagegen in langem Rock und mit Schleier am Hinterkopf, Snowy in ärmelloser Weste mit vielen Reißverschlüssen, Ärmelstulpen und fetziger Hose mit rockartigem Überwurf, Thomas in hautengen Hosen, hohen Stiefeln mit vielen Schnallen und halblangem schwarzem Mantel mit roten Kragenaufschlägen. Jeder erinnerte mich irgendwie an eine Filmfigur :-) Jetzt wurde mir auch der Sinn und Zweck der halbrunden Metallgestelle klar: wie in einer Art Choreographie nahmen die Sänger dort immer wieder ihre Positionen ein. Die Scheinwerfer zauberten besondere Lichteffekte, wenn sie auf die Umspannung der Gestelle trafen. Christofer war am meisten unterwegs, sauste immer wieder hin-und her und alle schienen einen Heidenspaß on Stage zu haben. Geredet wurde zwischendurch im Vergleich zu anderen Bands etwas weniger, allzu viele Ansagen gab es nicht.


Metal-meets-Rock-meets-Opera, das ist meine Definition für die Musik von Therion. Ich bin ehrlich: bei Sopran, Tenor usw. winke ich ab, wenn sie in ihrem „normalen“ musikalischen Arbeitsumfeld tätig sind. Aber in dieser Mixtur wirken die Stimmen ganz anders und es passt einfach auf den Punkt! Die ganze Show war bestens durchgeplant, alle auf der Bühne sind hochprofessionelle Musiker und mit ganzem Herzen dabei. Die Sänger zeigten bei ihrer Performance auch gewisse schauspielerische Talente, setzten die Texte teilweise in kleinen Szenen sowie in Mimik und Gestik um. Endlos viele Details ergaben ein Konzert in höchster Qualität und machten diesen Auftritt so besonders. So kamen zum Beispiel bei Hellequin venezianische (?) Masken, aufgesetzt oder vor´s Gesicht gehalten, zum Einsatz. Die Songs samt Lyrics und ihre Live-Umsetzung brachten viele Gänsehautmomente, zeigten Dramatik und Romantik, aber auch viel Spaß und Lebensfreude. Zwischendurch machten die Musiker kleine Jokes untereinander und animierten die Zuschauer zum Mitmachen... was nicht nötig war, das taten die eh.... :-) Die Lightshow muss ich auch mit einem großen Lob erwähnen, denn sie verstärkte die Atmosphäre im Raum gewaltig. Super gemacht, sie erzeugte die ideale Stimmung passend zu den jeweiligen Titeln. Besonders die violette Variante, die z.B. bei  Unguentum Sabbati  zum Einsatz kam, gefiel mir extrem gut. Das Publikum bedankte sich für die perfekte Performance, ging richtig gut mit ab und feierte Therion.


Ich muss gestehen, ich war wirklich froh, dass Snowy wieder dabei ist und sein Ausstieg bei Therion nur ein sehr kurzer war. Bei Stimmen hab ich meine gewissen Vorlieben und das, was Snowy da so ablieferte, besonders beim Song  Typhon, DAS ist erste Sahne für meinen Gehörgang. Auf dieses Wechseln von tief über normal nach extrem hoch und wieder zurück, darauf steh ich, weil es bei seiner Stimme einfach genial klingt!!! Wobei ich an dieser Stelle nicht drumherum komme, in die Vergangenheit abzuschweifen, denn das stimmlich absolute Sahnehäubchen bei Therion war für mich halt nun mal Mats Leven. Ich bedauere es sehr, dass er nicht mehr dabei ist. Mats hat für mich dieses ganz gewisse Etwas, was mich einfängt und mich stundenlang gebannt und mit wachsender Begeisterung zuhören lässt. Aber siehe oben: was die derzeitige Besetzung ablieferte, gefiel mir wirklich verdammt gut und begeisterte mich komplett.


Die Setlist umfasste 21 Songs, auch Stücke älterer Alben und  Dies Irae  von Mozart kamen zum Einsatz. Viele davon haben eine mehr als ordentliche Laufzeit und teilweise leicht komplizierte Titel. Daher bin ich froh, dass ich diese Setlist nur tippen und nicht mündlich vortragen musste ;-) Als persönliche Highlights müsste ich eigentlich fast das komplette Konzert runterbeten. Aber ich hab mich mehr oder weniger spontan für drei Songs entschieden :-) Typhon  – vor allem wegen Snowys Stimmeinsatz und weil die Nummer so extrem viel Power hat. Voyage Of Gurdjieff  – der sanftere Einstieg und dann geht’s so was von ab, gitarrentechnisch und gesanglich brilliant! Nifelheim  – ich steh auf das Wechselspiel der vier Stimmen bei diesem Titel, das kommt verdammt gut. Im Grunde genommen war wirklich jeder Song auf seine eigene Art ein Highlight und ich war sehr happy, dass ich das miterleben durfte.


Wie ihr seht, bezeichne ich Therion eher als Formation und nicht unbedingt als Band. Liegt daran, dass es mehrere Wechsel gab und viele nur als Gastmusiker für eine gewisse Zeit dabei sind. Eine Band besteht für mich aus einem festen Line-Up, bei dem eher selten ein Mitglied die Truppe verlässt. Aus der Zeit, als ich auf Therion aufmerksam wurde, ist heute nur noch der Boss Christofer dabei... Aber er stellt immer und immer wieder eine tolle Truppe auf die Beine und ich werde mir Therion auf jeden Fall sehr gerne bei weiteren Tourneen anschauen!


Der Trip in die Niederlande hatte sich allein schon für dieses Konzert richtig gelohnt. Es passte einfach alles – die Location, die Atmosphäre dort, der gute Sound und vor allem natürlich die grandiose Leistung der acht Therion Mitglieder. Hans und ich waren beide gesundheitlich angeschlagen in Tilburg gelandet. Nach dem Konzert ging es daher sofort zurück Richtung Hotel. In der Altstadt ging ganz schön was ab. Obwohl es kühl war, herrschte auch vor den Kneipen und Cafes ein reges Treiben. Der Niederländer an sich scheint auch zum Abfeiern gerne mit dem Radel anzureisen. Überall waren sie in mehrheitlich überdachten langen Fahrradständern in Massen abgestellt. Ich hoffte, dass das Fenster in unserem Hotelzimmer schallisoliert war und Gott sei Dank erfüllte sich diese Hoffnung. Schlaf hatten wir dringend nötig, denn wir fühlten uns beide alles andere als blendend. Blieb nur der Wunsch, etwas fitter aufzuwachen, denn am nächsten Tag stand das Halloween Rock Fest mit Doro als Headliner an...

 


Report by Marion Ney

 

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